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  Franziska Walser und Edgar Selge
Schauspieler und Schirmherren von BASTA
 
 
ÜBER SCHIZOPHRENIE - Krankheitsbild

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Schizophrenie: vielgestaltig und unverstanden

Schizophrenie ist so häufig wie Diabetes: etwa jeder Hundertste erkrankt daran. In jeder Nachbarschaft gibt es jemanden, der daran leidet. Bislang aber ist Schizophrenie eine unverstandene psychische Störung, und aus dem Unwissen erwächst Angst. Ihre Erscheinungsformen sind vielfältig: Sie kann leicht sein oder schwer, akut und traumatisch oder schleichend und für Außenstehende kaum wahrnehmbar. Sie kann einmalig auftreten oder in längeren und kürzeren Abständen wiederkehren, ausheilen oder zur Invalidität führen. Laien stehen der Krankheit häufig ratlos oder zweifelnd gegenüber, was zu Vorurteilen führt: Schizophrenie, so wird behauptet, sei eine unheilbare Störung, oder der Betroffene sei gar nicht wirklich krank, er spiele dies nur, weil er sich in Szene setzen wolle. Dies ist nicht richtig. Schizophrenie ist eine ernste, wenngleich in der Regel gut behandelbare Krankheit, und sie kann jeden treffen.

Wie verändert sich ein Mensch, der an Schizophrenie erkrankt?

Der eigentlichen Erkrankung geht meist ein Vorstadium voraus, in dem sich die später Erkrankten allmählich verändern. Sie geraten in eine fortgesetzte Anspannung ihres Denkens und Fühlens, werden empfindsamer und verletzlicher. Erst im akuten Stadium der Psychose treten die Symptome in aller Deutlichkeit auf. Dem sozialen Umfeld eines Menschen, bei dem eine schizophrene Erkrankung beginnt, können zweierlei Veränderungen an ihm auffallen: einerseits treten meist sogenannte "produktive" oder "positive" Symptome auf (Wahnerleben, Halluzinationen, Störungen des Denkens und Redens) andererseits zeigt der Betroffene oft gleichzeitig "negative" oder "Defizitsymptome" (Antriebsmangel, sozialen Rückzug, Apathie und mangelnde emotionale Ansprechbarkeit). Die intellektuellen Fähigkeiten und die Klarheit des Bewusstseins sind in der Regel nicht beeinträchtigt; im Laufe der Zeit können jedoch kognitive Defizite entstehen. Unter kognitiven Defiziten versteht man geistige Einbußen von Hirnleistungsfunktionen, die u.a. das Gedächtnis und die Merkfähigkeit, das Denken und Urteilen, die Auffassung sowie die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit betreffen. Der Erkrankte nimmt seine Umgebung verändert wahr. Dazu gehören beispielsweise Störungen der äußeren Wahrnehmung, optische und/oder akustische Halluzinationen. Der Kranke kann überempfindlich werden gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Geschmack; das Zeiterleben kann sich verändern. Auch kann z.B. die ganze Welt in einen so intensiven persönlichen Bezug zu dem Erkrankten treten, dass der Kranke jedes Geschehen als speziell auf sich bezogen erlebt und es eine besondere Bedeutung für ihn erhält. Er kann das Gefühl haben, dass andere Personen seine intimsten Gedanken oder Gefühle lesen bzw. hören können oder sie sogar beeinflussen. Es ist gut verständlich, dass der Patient alle in seinem kulturellen Hintergrund und nach seinen bisherigen Lebenserfahrungen geläufigen Erklärungen anführt, um diese Veränderung dingfest zu machen: Hypnose könnte im Spiel sein, Telepathie, Radiowellen oder "fremde Mächte". Oftmals kommt es zu akustischen oder (wenngleich seltener) auch visuellen Halluzinationen: es werden Dinge gesehen oder Stimmen gehört, die nicht wirklich da sind. Meist erteilen diese Stimmen Befehle oder kommentieren die Handlungen und Gedanken der Person. Ähnlich wie bei einer depressiven Störung haben schizophrene Patienten auch häufig das Gefühl, "gar keine Gefühle mehr" zu haben, ihre Stimme wirkt vielfach tonlos und unmoduliert. Dies unterstreicht, ebenso wie gelegentliche unangemessene emotionale Reaktionen (z.B. über ein trauriges Ereignis lachen), den Eindruck ihrer emotionalen Unansprechbarkeit.

Verfaßt von der Anti-Stigma-Arbeitsgruppe der LMU im Zusammenhang mit BASTA – dem Bündnis für psychisch erkrankte Menschen